Ratgeber

Du oder lieber Sie? Mehr Klarheit in der Ansprache

Leitfaden Anrede
Auch heute noch gibt der „Knigge“ vor, dass jedem die Anrede „Sie“ zunächst zusteht. Das „Du“ erfordert die Zustimmung meines Gegenübers. (Foto: © ssstep via Getty Images)
Soll ich meine Kunden, Vorgesetzten, Mitarbeiter duzen oder lieber siezen? Ist eines davon altmodisch und das andere modern und schick? Verliere ich den Respekt, wenn mich meine Mitarbeiter duzen und bin ich unhöflich, wenn ich Kunden und Gäste einfach so duze? Ein Leitfaden von Coach Frank Simmeth: 
Mittwoch, 01.12.2021, 09:18 Uhr, Autor: Frank Simmeth

Es ist ja klar, dass viele hier verunsichert sind. Alle diese Fragen kann man durchaus mit einem klaren „Jein“ beantworten. Bei mir ist das beispielsweise so, dass ich mit nahezu allen Teilnehmern und Partnern per Du bin. Kommt jemand zu mir für ein Einzelcoaching, beginne ich dennoch meist mit einem „Sie“, um mit der entstehenden Distanz auch mich selbst ein wenig abzugrenzen. Damit aber du selbst je nach Situation und Umfeld hier eine gute Entscheidung treffen kannst, ist womöglich ein wenig Hintergrundwissen hilfreich.

Alter Irrglaube

Viele glauben ja, dass die Frage nach dem Du oder Sie im englischen Sprachraum viel leichter sei, da sich hier ja eh alle duzen würden. Das ist übrigens so nicht richtig. „You are“ heißt in der wörtlichen Übersetzung ja nicht „Du bist“, sondern „Sie sind“. Viel richtiger ist also, dass sich in der englischen Sprache das „Sie“ durchgesetzt hat und nicht das „Du“. Tatsächlich gibt es auch in der englischen Sprache ein „Du“ (thee = dich, thou = du, thy = dein). Diese Form wird aber ausschließlich beim Beten verwendet.

Frank Simmeth in dunklem Hemd gestikuliert vor einer Fotowand
Frank Simmeth ist überzeugt: Duzen und Siezen ist eine Frage der Distanz-und Respektwahrung. (Foto: © WWW.FOTO-CONSTANCE-GRUBER.DE)

Mit anderen Worten: Auf Englisch wird nur Gott geduzt, alle anderen siezen sich! Im englischen Sprachraum ist also sprachlich gar keine andere Unterscheidungsform möglich, als dass man sein Gegenüber mit Vornamen anspricht, um eine persönlichere Ansprache zu wählen. Manche Vorgesetzte haben diese Form auch bei uns übernommen, indem sie ihre Mitarbeiter siezen aber dennoch mit Vornamen ansprechen. Das kann man natürlich so machen. Viel wichtiger finde ich aber die Frage, was die Absicht dieser Unterscheidung ist.

Wieviel Nähe darf es sein?

Fakt ist, dass die „Sie“ Form eine gewisse Distanz zu meinem Gegenüber schafft. In unserer Gesellschaft drückt sich „Beziehung“ ja nicht wie ursprünglich hauptsächlich in räumlicher Distanz aus, sondern eben auch sprachlich. Je nachdem also, wie nah Sie andere Menschen an sich „rankommen“ lassen möchten, was Ihre Komfortzone ist, oder Sie auf gleicher Ebene stehen möchten, können Sie diese Distanz also schaffen oder abbauen.

Dass die Sie-Form eine Respektsform ist, ist historisch bedingt, haben sich früher ja eher die niederen Schichten untereinander geduzt. Wer hingegen „jemand ist“, also Herren und Frauen, genau wie Adelige, hatte ein Anrecht darauf, gesiezt zu werden. Erst als mit Ende des Mittelalters „Herr“ und „Frau“ zur allgemeinen bürgerlichen Anrede wurde, hatte jeder ein Anrecht darauf gesiezt zu werden.

So gibt übrigens auch heute noch der „Knigge“ vor, dass jedem die Anrede „Sie“ zunächst zusteht und, dass das „Du“ die Zustimmung meines Gegenübers erfordert. Ob Sie dich heutzutage auch noch an die alte Regel halten möchten, dass nur der Ältere beziehungsweise der Ranghöhere das „Du“ anbieten darf, darüber lässt sich diskutieren.

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