Umfrage

Tourismuswirtschaft leidet unter hohen Kosten

Stintmarkt in Lüneburg bei Abendlicht mit Boot
Der wunderschöne Stintmarkt in Lüneburg. Eine der schönsten Ecken in Niedersachsen.(Foto: © stock.adobe.com/Mapics)
Die Hospitality-Branche in Niedersachsen steht derzeit unter Druck. Das hat eine Umfrage der dortigen IHK ergeben. Hohe Ausgaben und ein Übermaß an Bürokratie schwächen die Betriebe. Es werden Maßnahmen seitens der Unternehmen gefordert. 
Montag, 27.05.2024, 15:01 Uhr, Autor: Christine Hintersdorf
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„Die Stimmung in der Tourismuswirtschaft in Niedersachsen hat sich wieder leicht eingetrübt. Die gesamtwirtschaftliche Situation wirkt sich auch auf die Tourismusbranche aus", fasst Kerstin van der Toorn, Tourismussprecherin der IHK Niedersachsen (IHKN), die Ergebnisse der aktuellen Saisonumfrage Tourismus zusammen.

Die IHKN-Saisonumfrage Frühjahr 2024 wurde vom 10. April bis 10. Mai 2024 durchgeführt. An der Umfrage beteiligten sich rund 450 Betriebe aus Hotellerie, Gastronomie und Campingwirtschaft sowie Reisebüros und Reiseveranstalter. 

Betriebe brauchen mehr Erleichterung

Insbesondere die hohen Kosten und die unsichere Wirtschaftslage führen bei Betrieben wie Privathaushalten dazu, bei Investitionen und Konsumausgaben zurückhaltend zu agieren. Auch die zahlreichen bürokratischen Hürden sind für die Unternehmen eine Belastung. 

Daher fordert sie: „Was wir brauchen, ist weniger Regulierung, weniger Nachweispflichten, mehr echte Erleichterungen für die Betriebe und endlich wieder Planungssicherheit.“

Dafür benötigt die Branche die Unterstützung der Landespolitik. Tourismus als Leitökonomie in Niedersachsen darf nicht nur eine Worthülse bleiben, sondern muss mit Leben gefüllt werden, fordert IHKN-Hauptgeschäftsführerin Monika Scherf angesichts der aktuellen Umfrageergebnisse.

Ergebnisse der Umfrage

Die aktuelle Geschäftslage wird weniger positiv bewertet als vor einem Jahr. So bewerten aktuell 25 Prozent der Betriebe im Gastgewerbe ihre wirtschaftliche Lage als gut, 51 Prozent als befriedigend und 24 Prozent als schlecht.

43 Prozent der Befragten gaben an, dass der Umsatz mit allen Gästegruppen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gesunken sei, bei 27 Prozent ist er gestiegen. Besonders die Gastronomie sieht die aktuelle Lage als herausfordernd: 19 Prozent bewerten die Lage als gut, 25 Prozent als schlecht.

Die Campingplätze dagegen sind zufrieden: 40 Prozent der Befragten beurteilen ihre Geschäftslage als gut, nur 18 Prozent als schlecht.

Auch die Zukunftsaussichten haben sich eingetrübt

Im Gastgewerbe erwarten derzeit nur 12 Prozent eine bessere Geschäftslage, 31 Prozent eine schlechtere.

Grund hierfür sind vor allem die hohen Kosten und die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen. Als größtes Risiko für die Geschäftstätigkeit sieht das Gastgewerbe weiterhin die hohen Preise für Energie, Lebensmittel und Rohstoffe. Dies gaben 74 Prozent der Betriebe an.

Auf dem zweiten Platz folgt mit 71 Prozent ein weiterer Kostenfaktor: die Arbeitskosten. Dahinter folgen die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen und der Personalmangel mit jeweils 60 Prozent.

Derzeit hat fast jeder zweite Betrieb offene Stellen, die längerfristig nicht besetzt werden können. Ein Drittel der Befragten hat keinen Personalbedarf.

Inlandsnachfrage am Kipppunkt

Auch die Inlandsnachfrage wird weiterhin kritisch gesehen. Bedingt durch gestiegene Kosten und die unsichere Wirtschaftslage schauen auch die Gäste auf ihr Geld. Um die gestiegenen Kosten decken zu können, gehen mehr als die Hälfte der Unternehmen von steigenden Übernachtungs- bzw. Verzehrpreisen aus.

Reiseveranstalter spüren Aufschwung

Vor allem die Reisebüros und -veranstalter erleben weiterhin einen Aufschwung. Zwar sinkt der Klimaindex in dieser Teilbranche von 134,6 auf 121,9 Punkte, bleibt damit aber deutlich über dem Durchschnitt der letzten Jahre. Die aktuelle Lage bewertet jeder zweite als gut, nur 15 Prozent als schlecht. 

Und auch der Blick in die Zukunft ist positiv: Nur 15 Prozent erwarten eine Verschlechterung der Geschäftslage. Bei den Reisebüros und -veranstaltern sieht jeder zweite den Personalmangel als Risiko. Danach folgen wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen (43 Prozent), Energie- und Rohstoffpreise (41 Prozent) und Arbeitskosten (36 Prozent).  

(IHK Niedersachsen/CHHI)

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