Ein Schluck Frühling
(Bald) Sommer, Sonne, coole Drinks – es darf wieder kreativ werden
von Gabriele GugetzerAchtung, Triggerwarnung! Der Stoßseufzer des US-amerikanischen Foodwriters Darron Cardosa, der Appetit hatte auf „eine stinknormale Bloody Mary, maximal mit einer Selleriestange drin“ und sich beim Barhopping konfrontiert sah mit Cocktails, deren Zutaten „wohl auf dem Biobauernmarkt zusammengekauft worden waren“, ist sowohl erheiternd als auch eine Warnung.
Die Lieblingsbeschäftigung der Foodbranche ist auch jenseits des großen Teichs, alles neu zu interpretieren. „Nein“, meint Cardosa dazu, der seit 30 Jahren über Essen schreibt und als Teenager Restauranttische abwischte, „man muss das Rad nicht ständig neu erfinden“. Gleichzeitig haben die Bartender 2025 wundervoll inspirierende Ideen ... der Mix macht’s!
FERMENTATION IST NIX NEUES.
IM AMAURIS VIENNA SERVIERT MAN EINEN BLUSHING BLOOM MIT FERMENTIERTEM RHABARBERCORDIAL.

Erinnerung an die Klassiker
Ein alkoholleichter Negroni? Der wurde schon 1972 erfunden. Der Negroni Sbagliato wird zu gleichen Teilen aus Campari, rotem Vermouth und Prosecco kalt gerührt und ohne weiteres Tamtam serviert. Klassiker haben halt natürliche Raffinesse, so auch Martinis. Die englische Wein- und Genussjournalistin Alice Lascelles von der Financial Times hat über ihre Suche nach dem ultimativen Martini sogar ein ganzes Buch („Martini: The ultimate guide to a cocktail icon“, Quadrille, 2024) geschrieben.

Auch bei der Hotelgruppe Kimpton steht der Martini ganz weit oben auf der Trendliste, durchaus neu erdacht mit Wasabi, Zimt und für Mutige mit Essiggurke. In den USA bescherte das ebenfalls florierende Cocktail-Revival dem Brooklyn ein Comeback. Er wird mit Rye Whiskey, trockenem Vermouth, Maraschinolikör und Amer Picon (endlich mal eine gute Verwendungsmöglichkeit für die supercoole Flasche) gemixt.
Rezept-Tipp
„Luft“ aus der Eule, Berlin
Zutaten:
- 50 ml Apostoles Mate Gin
- 15 ml frischer Zitronensaft
- 15 ml Luxardo Maraschino
- 5 ml Bigallet Crème de Violette
Zubereitung:
Die Zutaten shaken und in ein Nick & Nora-Glas abseihen. Wer es süßer mag, gibt 5 ml Zuckersirup (z. B. Giffard Gomme Sirup) dazu.
Nachhaltigkeit bei Produkten und Technik
Die Rummarke Flor de Caña ist die erste Spirituose der Welt, die klimaneutral und Fairtrade-zertifiziert ist. Passend zum Branding betreibt sie eine Sustainable-Cocktail-Challenge, an der im letzten Jahr Mixer aus mehr als 40 Ländern teilnahmen. In diesem Jahr läuft die Challenge ebenfalls auf internationalem Level, ausgetragen in Nicaragua, dem Gründungsland von Flor de Caña.
Viele Barkeeper interessiert Nachhaltigkeit sehr – auch Dariusz Kulakowski (Bar Eule, Berlin). „Cocktails zu machen, produziert eine Menge Abfall.“ Da genau liege die Herausforderung, z. B. bei Zitrusfrüchten. „Eine ausgepresste Zitrone wird mit ein bisschen Kreativität zur Zutat. Eingelegt in Salz lässt man sie gären, dann entsteht eine gesalzene Zitrone, die wir aus der marokkanischen Küche kennen. Gibt mit Scotch, Ingwer und Honig einen unverwechselbaren meersalzig-rauchigen Geschmack.“ Zitrusschalen, zu Brei vermahlen, mit Safran, Pfeffer und einem Schaummittel versetzt, nutzt er als Eiweißalternative für den Whisky Sour.
Die Kimpton-Hoteliers setzen bei Cocktails auf gefriergetrocknetes Obst- und Gemüsepulver, da es abfallfrei ist, Reste verarbeitet werden können und es die Getränketextur verbessert. Ihr Tipp: Fruchtleder.