Basel und der Rhein – eine Liebesgeschichte
Wer so malerisch an beiden Ufern des Rheins hingegossen liegt, für den ist Wasser ein Lebenselexier. Die Basler genießen, mit dem berühmten Schwimmfisch ausgestattet, in dem sich ein gut geschnittener Herrenanzug oder das kleine Schwarze wasserdicht verstauen lassen, das Bad im Fluß. Die Gastronomie spielt, kein Wunder, am und auf dem Fluss eine wichtige Rolle.
Die Rheinschifffahrt offeriert neben klassischen Runden ohne Verköstigung solche mit Teatime, Brunch, Apéro, Dinner und im Winter natürlich Fondue. Die Produktqualität ist hoch, vom Käse aus der Biomolkerei über Mandarineneis in echter Mandarinenschale bis zu Süßem von Beschle, dem Lieblingsconfiseur der Stadt. Spannend auch die Tavolata. Die liegt voll im Trend, ist aber ein Uraltthema aus Italien und bedeutet schlichtweg Tafelrunde. Man genießt in größerer Runde, Plate-Sharing und Gespräche sind gesetzt.
An den Rheinufern locken Sommerterrassen und Imbissbuden unter freiem Himmel, Buvetten genannt. Bei letzteren denkt man gleich an Paris und die Bouquinisten und das lässige Savoir-vivre der Fünfzigerjahre, tatsächlich sieht das alles allerliebst und doch professionell aus. Besonders unter ihnen ist die Buvette 7 – Flora am Rhy. Sie öffnete im vergangenen Sommer als Basels erste klimaneutrale Buvette und wird betrieben von zwei engagierten jungen Gastroprofis, Fabio und Tanja.
Für den Bau ihrer Bude haben sie Schwemmholz aus dem Rhein umgenutzt, sie backen Bananenbrot aus geretteten Lebensmitteln, Treberbrot aus Craftbier-Rückständen und lassen im Gespräch keinen Zweifel daran, dass das alles wesentlich billiger wäre, wenn man es eben nicht unter den Stichworten Urban Mining und Re-use angehen würde. Die Basler haben jedoch verstanden, die Buvette 7 hat nach der Winterpause wieder auf. Warum Touristen mit solchen Imbissbüdchen fremdeln, ist nicht bekannt.
Sterne in traditionell und modern
Sterne kann Basel im Schlaf. Seit neun Jahren hält Peter Knogls Cheval Blanc im Hotel Les Trois Rois seine drei Sterne. Ebenso verlässlich fährt Tanja Grandits fürs Stucki zwei Sterne ein und hält das Bel Etage im Teufelshof seinen einen Stern. 2022 stieg das gemüsebasierte Roots in die Liga der Zweisterner auf. Zwar liegt es mitten im Kongresszentrum, hat aber eine Rheinuferterrasse. Und besitzt außer einem erstaunlichen Kochniveau einen Grad an selbstverständlicher Freundlichkeit, den man dekantiert im Riechfläschchen für teuer Geld verkaufen könnte.
Sechs Gänge schlagen mit 178 CHF (ca. 190 Euro) zu Buche, zehn Gänge mit 219 CHF (ca. 235 Euro), Zürcher würden bei dem gebotenen Wareneinsatz und der Produktqualität über eine solche Preisgestaltung nur kichern. Die Menüs sind ohne Präpositionen, sondern mit Stichworten gestaltet; das könnte albern oder lästig werden, aber dafür ist ja der Service da, und eigentlich will man nie wieder weg. Küchenchef Pascal Steffen bekam 2024 vom Schweizer Gault-Millau die Auszeichnung Aufsteiger des Jahres verliehen und 18 Punkte dazu. Da ist noch Luft nach oben, auch dank Restaurantleiter Jonas Brucker.