Städtetourismus

Negative Folgen des Massentourismus lassen sich verhindern

Schweizer Münzen vor einer Schweizer Fahne
Der hohe Kurs des Schweizer Frankens – und das allgemein recht hohe Preisniveau in der Schweiz – sorgen im Moment noch dafür, dass der Tourismus in Zürich, Genf & Co nicht außer Kontrolle gerät. (© Fotolia.com/albertczyzewski)
Die Zahl der Städtereisen steigt doppelt so schnell wie die der Länderreisen. Overtourism in Schweizer Städten wird durch den hohen Kurs des Schweizer Franken bislang aber noch in Grenzen gehalten.
Montag, 21.01.2019, 09:14 Uhr, Autor: Clemens Kriegelstein

Städtereisen boomen: Während die Zahl der touristischen Übernachtungen bei Länderreisen in den vergangenen 10 Jahren um 26 Prozent zunahm, wuchs sie in Städten mehr als doppelt so schnell. Für die besuchten Städte ist das einerseits eine gute Einnahmequelle, doch wenn die Zahl der Touristen zu hoch wird, leiden sie darunter. Die gravierendsten Folgen des so genannten „Overtourism“: Lärm, verstopfte Strassen, überfüllte Restaurants, genervte Einwohner, Verlust lokaler Identität und Kultur. Man denke an Venedig.

Die Hintergründe für das Phänomen des „Overtourism“ und mögliche Strategien für einen erfolgreichen Städtetourismus haben die Experten des deutschen Unternehmensberaters Roland Berger kürzlich auch für die Schweiz analysiert. „Neben einer fehlenden Tourismusstrategie hat ‚Overtourism‘ seine Wurzeln vor allem in der Kombination von drei Faktoren: Attraktivität der Stadt und der Umgebung, die Verfügbarkeit massentauglicher Verkehrsmittel wie z.B. Low-Cost Carrier oder Kreuzfahrtschiffe sowie ein günstiges Kaufkraftverhältnis der Währung im Zielgebiet im Vergleich zur Währung im Quellmarkt“, sagt Matthias Hanke, Tourismus-Experte und Senior Partner bei Roland Berger in Zürich. „Während die Attraktivität der Schweizer Städte und deren Umgebung nahezu unschlagbar ist, wird der ‚Overtourism‘ Schweizer Städte durch den hohen Kurs des Schweizer Franken bislang noch in Grenzen gehalten. Dennoch stellen der steigende Wohlstand sowie die zunehmende Reiselust unter der Europäischen Bevölkerung mittelfristig eine erstzunehmende Herausforderung auch für die Schweizer Tourismusmanager dar“, ergänzt Hanke.

Ganzheitliche Strategie nötig
Um einen unkontrollierten Tourismusfluss zu vermeiden, sollten Städte frühzeitig eine ganzheitliche Tourismusstrategie erarbeiten. „Diese Strategie sollte in erster Linie der langfristigen Stadtentwicklungsplanung angepasst sein“, sagt Vladimir Preveden, Partner von Roland Berger. „Nur dann können diese beiden sich gegenseitig befruchten.“ Im Fokus sollten etwa die Verbesserung der Infrastruktur und Lebensqualität stehen, aber auch Umweltbelange und Smart City-Angebote. Um die Innenstädte zu entlasten, sollten weniger frequentierte Stadtviertel wiederbelebt und mit neuen, attraktiven Angeboten aufgewertet werden.

Dazu kommen regulierende Eingriffe, etwa bei der Zahl der Hotelbetten – aber auch der privaten Unterkunftsangebote: „In Zeiten der Sharing Economy hat zum Beispiel die unregulierte Vermietung von Privatwohnungen einen enormen Effekt auf die Übernachtungskosten und damit auf die Zahl der Touristen in einer Stadt“, erklärt Preveden. „Alle anderen Bemühungen im Kampf gegen den „Overtourism“ bleiben wirkungslos, wenn die Politik hier keinen klaren Rahmen vorgibt.“

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