NGG: „Bessere Einkommen und Arbeitszeiten nötig“
Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) warnt vor längeren Arbeitszeiten im Gastgewerbe. Insbesondere lehnt sie die vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) geforderte wöchentliche statt einer täglichen Höchstarbeitszeit ab. Der NGG-Geschäftsführer des Landes Mecklenburg-Vorpommern Jörg Dahms sagte am Dienstag, dass schon heute Zehntausende im Land auch an Sonntagen und nachts arbeiten.
Der Dehoga möchte nach eigenen Aussagen die Gesamtarbeitszeit nicht verlängern, sondern verschieben, bzw. auf weniger Tage aufteilen. „Vier Tage arbeiten, drei Tage frei – das könnte ein interessantes Modell der Zukunft sein. Auch bietet das Gastgewerbe in besonderem Maße Arbeitsplätze für Menschen, die sich etwas dazu verdienen wollen. Hier ist es vielen lieber, an einem Wochenende etwas länger zu arbeiten, dafür die anderen Wochenenden frei zu haben.“
„Betriebe haben genug Freiheit“
Der Dehoga hält das bestehende Arbeitszeitgesetz für unflexibel und beruft sich auf ein Gutachten, nach dem die wöchentliche Arbeitszeit der Arbeitnehmer 48 Stunden im Durchschnitt von vier Kalendermonaten betragen darf. Das solle keine Verlängerung der Arbeitszeit sein. Aber in Zeiten, wo mehr Arbeit da sei, müsse mehr gearbeitet werden, in anderen dafür weniger. „Das Gastgewerbe ist geprägt von starken, oftmals nicht planbaren Nachfrageschwankungen. Hochzeits- und Geburtstagsfeiern dauern – weil es „gerade einfach so schön ist“ – länger als ursprünglich vorgesehen. Die Sonne scheint im Biergarten unangemeldet schon am Vormittag, Schnee und Eis verhindern die pünktliche Anreise der Gäste in den Abendstunden“, so der Dehoga in einer Presseerklärung.
Laut Gewerkschaft sind in Vorpommern bereits 32.000 Beschäftigte der Gastronomiebranche von Sonntagsarbeit betroffen, in der Region Mittleres Mecklenburg/Rostock 21.000 und in Westmecklenburg ebenfalls 32.000. Noch viel mehr Beschäftigte müssten regelmäßig zwischen 18 und 23 Uhr arbeiten. Arbeitszeitgesetz und Tarifverträge verlangten von den Arbeitnehmern bereits eine hohe Flexibilität, sagte Dahms. Die Betriebe hätten die Freiheit, ihre Beschäftigten weitgehend so einzusetzen, wie sie es brauchen.
Kaum Nachwuchs in der Gastronomie
Im Gastgewerbe gehören lange Arbeitszeiten an jedem Tag der Woche zum Beruf. So gaben bei einer Befragung rund 9000 Beschäftigte in Hotels, Gaststätten und Pensionen im Land an, regelmäßig nach 18 Uhr zu arbeiten. 14 000 arbeiten demnach häufig an Samstagen, 13 000 an Sonntagen. Die Arbeitsbedingungen führten zu Problemen mit dem Berufsnachwuchs, sagte der Gewerkschafter. In Mecklenburg-Vorpommern bilde nur noch jeder zehnte Gastro-Betrieb Lehrlinge aus. Nötig seien deutlich bessere Einkommen und Arbeitszeiten. Der Jahresumsatz der Branche ist nach Angaben des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes zum siebten Mal in Folge auf zuletzt bundesweit 81 Milliarden Euro gestiegen, erklärte Dahms. (lmv/MJ)