NGG warnt

„Überstunden-Berg“ durch Tourismus-Boom?

Ein Büroarbeiter sitzt vor seinem Computer und drückt eine Hand gegen seinen Nacken
Die NGG warnt vor „Überstunden-Berg“ im Gastgewerbe. (and.one/fotolia)
Seit Donnerstag ist es offiziell. Deutschland verzeichnet einen Übernachtungsrekord – der Inlandstourismus boomt. Das geht aus neuen Zahlen des Statistischen Bundesamtes hervor. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) sieht genau darin ein Problem für das Gastgewerbe.
Freitag, 10.08.2018, 08:49 Uhr, Autor: Markus Jergler

„Ohne die Beschäftigten in Hotels, Pensionen und Gaststätten wäre der Tourismus-Rekord nicht vorstellbar. Doch der Boom bedeutet allzu oft unbezahlte Mehrarbeit“, sagt die NGG-Vorsitzende Michaela Rosenberger.

Im Hinblick auf Diskussionen über eine Aufweichung des Arbeitszeitgesetzes oder der Dokumentationspflichten beim Mindestlohn erteilt die Gewerkschaft NGG diesen Streitpunkten gegenüber eine klare Absage. Stattdessen solle sich das Gastgewerbe um Fachkräfte kümmern. „Die gewinnt man aber nur mit fairen Löhnen und guten Arbeitsbedingungen“, so Rosenberger. Wie die aktuellen Auswertungen zeigen, erzeichneten die deutschen Beherbergungsbetriebe im ersten Halbjahr rund 214 Millionen Übernachtungen. Das ist ein Plus von 4 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Fünf Überstunden pro Woche
Was eigentlich eine gute Nachricht sein sollte, lässt bei der NGG die Alarmglocken ertönen. Rosenberger kritisiert: „Im Tourismus jagt seit Jahren ein Rekord den nächsten. Urlaub in Deutschland liegt im Trend. Doch wenn Hotels und Pensionen ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern immer mehr Überstunden aufhalsen, dann verprellen sie irgendwann ihr Personal.“

Nach einer Studie der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) leistet jeder dritte Vollzeit-Beschäftigte im Gastgewerbe jede Woche mehr als fünf Überstunden. Die Branche beschäftigt laut Arbeitsagentur bundesweit rund zwei Millionen Menschen – knapp die Hälfte als Minijobber. Strikt abgelehnt hat die NGG-Vorsitzende die Forderung des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) die 450-Euro-Grenze für Minijobs anzuheben. „Wir brauchen eine Gleichbehandlung aller Arbeitsverhältnisse, keine weitere Verfestigung des Niedriglohnsektors und vorprogrammierte Altersarmut. Minijobs gehören abgeschafft.“ (MJ)

Zurück zur Startseite

Weitere Themen

BdS-Hauptgeschäftsführer Markus Suchert im Portrait
Gastronomie
Gastronomie

Nach Nichteinigung: BdS appelliert an die NGG

Der Hauptgeschäftsführer Markus Suchert hat sich zum derzeitigen Stand der Tarifverhandlungen mit der NGG geäußert. Da die beiden Verhandlungspartner bisher keine Einigung erzielen konnten, fordert der Verband jetzt ein Einlenken seitens der Gewerkschaft. 
Guido Zeitler NGG
Coronahilfen
Coronahilfen

NGG fordert mehr Unterstützung für das Gastgewerbe

Die Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG) fordert, die Beschäftigten des Gastgewerbes besser zu unterstützen – unter anderem mit einer einmaligen Soforthilfe von 1.000 Euro.
Eine Serviekraft mit zwei Tellern Salat, im Hintergrund zwei Köche bei der Arbeit
Vor den Verhandlungen
Vor den Verhandlungen

Lohnerhöhung: NGG fordert sechs Prozent

Für die Tarifrunde 2018 hat der Hauptvorstand der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) am Dienstag eine tarifpolitische Empfehlung beschlossen.
Die NGG fordert mehr Gehalt für Angestellte im Gastgewerbe. (Foto: photocrew/fotolia)
Gehaltsverhandlungen
Gehaltsverhandlungen

„Jeder sollte 140 Euro mehr bekommen“

Vor dem Start von Tarifverhandlungen im Gastgewerbe hat die zuständige Gewerkschaft deutlich mehr Geld für die Beschäftigten gefordert. Jeder Mitarbeiter sollte pro Monat 140 Euro mehr bekommen, sagte Alexander Münchow von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) am Donnerstag in Stuttgart.
Servicekraft deckt Tisch mit Servietten
Arbeitszeitgesetz
Arbeitszeitgesetz

NGG: „Bessere Einkommen und Arbeitszeiten nötig“

Der Hotel- und Gaststättenverband möchte flexiblere Arbeitszeiten in der Gastronomie. Die Branchengewerkschaft NGG lehnt das ab. Besonders eine wöchentliche statt tägliche Höchstarbeitszeit stößt auf Widerstand.
Kellner servieren Speisen
Investitionen
Investitionen

25 Millionen Euro für das saarländische Gastgewerbe

Die Gastronomie leidet unter den Corona-Folgen, Fachkräftemangel, gestiegenen Preisen und hohen Energiekosten. Das Saarland will sie jetzt wettbewerbsfähig und fit für die Zukunft machen.
Conrad Clemens (CDU), Kultusminister von Sachsen, teilt während eines Pressetermins der Dehoga Sachsen zur Trend(Job)Tour in einem Restaurant auf dem Neumarkt einen Smoothie aus. Im Rahmen der Trend(Job)Tour treffen sich Fachkräfte aus Schule, Berufsorientierung und Arbeitswelt, um die Gastronomie und Hotellerie zu erleben
Aktion
Aktion

Mehr Azubis für Sachsen

Aktuell ist die Lage auf dem sächsischen Ausbildungsmarkt entspannt. Die Betriebe haben im letzten Jahr genügend motivierte Lehrlinge finden können. Damit das auch in Zukunft so bleibt, startet der Dehoga eine Werbekampagne für das Gastgewerbe und erneuert eine Kooperation für den Tourismusbereich.
Kellner bringen Gerichte an den Tisch
Umsatzzahlen
Umsatzzahlen

Gastgewerbe verzeichnet im Januar bessere Umsatzzahlen

Das Jahr 2025 hat für Gastwirtschaften, Restaurants und Hotels in Summe vergleichsweise gut begonnen. Makellos ist die Monatsbilanz allerdings nicht.
Wirtin in bayerischer Kneipe mit Gästen
Aufschwung
Aufschwung

Umsatzzahlen im Gastgewerbe gehen rauf

Für den Tourismusbereich lief es im Januar 2025 erstaunlich gut. Es gab eine deutliche Steigerung im Vergleich zum Vorjahresmonat. Davon profitierte auch das Gastgewerbe. Bei näherer Betrachtung fallen die Zahlen allerdings nicht ganz so gut aus.