Recruiting

Azubis für den eigenen Betrieb begeistern

Julian Mannott
Julian Mannott (Foto: © Julian Mannott)
Immer mehr junge Menschen wollen lieber studieren als einen Ausbildungsberuf zu erlernen. Das liegt teilweise auch daran, dass sie zu wenig über die Inhalte von traditionellen Berufen wissen. Wie man diese passend vermitteln kann, erklärt der Recruitingexperte Julian Mannott.
Montag, 26.08.2024, 08:02 Uhr, Autor: Christine Hintersdorf

Zunehmende Akademisierung und fehlendes Interesse an essenziellen Berufen: Kleine und mittelständische Unternehmen haben es immer schwerer, geeignete Azubis zu gewinnen. Laut DIHK-Ausbildungsumfrage 2024 konnten 49 Prozent aller Betriebe 2023 nicht alle Ausbildungsstellen besetzen.

Immer mehr wollen lieber studieren

Ohne passende Lösungen könnte der jetzt schon akute Fachkräftemangel in vielen Branchen noch weitaus drastischere Ausmaße annehmen. Welche Strategien sind also notwendig, um Jugendliche endlich wieder zuverlässig für eine Ausbildung zu begeistern?

Allein in 2021 starteten doppelt so viele Studenten wie Auszubildende ihre berufliche Laufbahn – ein Trend, der auch in den Folgejahren nicht abflachte. Abseits davon fällt das Interesse von jungen Menschen an traditionellen Berufen zudem erschreckend gering aus: Nicht selten haben sie schlichtweg keinerlei Bezug zu potenziellen Ausbildungsberufen und wissen ohne familiären oder bekannten fachlichen Hintergrund kaum, was sie dort erwarten würde.

Mangelnde Einblicke in Ausbildungsberufe

Zwar versuchen betroffene Unternehmen durchaus, dieser Situation Herr zu werden und potenziellen Nachwuchs endlich wieder für sich zu begeistern – bisher allerdings mit überschaubarem Erfolg. „Nicht nur sind ihre Schulbesuche oft zu kurz, um echtes Interesse zu wecken. Vor allem bevorzugen es die meisten Jugendlichen, sich selbst eine Meinung zu bilden, statt sich frontal etwas präsentieren zu lassen.“

„Das hängt auch mit der Kluft zwischen dem, was die Jugendliche schon über den Beruf wissen und dem, was sie eigentlich an Informationen bräuchten, um sich für diesen Beruf zu entscheiden zusammen, denn dies ist nicht in 60 bis 90 Minuten erklärbar und so für beide Seiten oft sehr demotivierend“, erklärt Julian Mannott. „Wenn sich hierbei keine zielführenderen Herangehensweisen durchsetzen, dürfte der Personalmangel in vielen Branchen noch deutlich schlimmer werden, als er es ohnehin schon ist.“

Soziale Medien einbinden

„Die effektivste Lösung besteht darin, dort präsent zu sein, wo die Jugendlichen sind und sich in den meisten Fällen eine Meinung bilden oder ihr Wissen zu interessanten Themen vertiefen – auf Plattformen wie Instagram, TikTok und YouTube“, fügt der Recruiting-Experte hinzu. „Sofern sie das richtig umsetzen, können Unternehmen den dringend benötigten Nachwuchs gezielt ansprechen und langfristig motivierte Auszubildende gewinnen.“

Welche Ansätze funktionieren können und wie Unternehmen sie umsetzen sollten, verrät er hier.

1. Überzeugender visueller Content

Gut gemachte Videos auf Plattformen wie YouTube erzielen mitunter eine große Reichweite und beantworten dabei spezifische Fragen zu verschiedenen Berufen. Beispielsweise kann ein Video, das den Arbeitsalltag eines Zerspanungsmechanikers zeigt, das Interesse von Jugendlichen nachhaltig wecken.

Im Grunde fungiert ein solcher digitaler Content als permanenter, virtueller Messestand, der rund um die Uhr verfügbar ist. Unternehmen sollten daher die Erstellung und Pflege von hochwertigem visuellen Content in ihre Strategie integrieren.

Dies ermöglicht eine konstante Präsenz und erleichtert es, Jugendliche für Praktika und Ausbildungsstellen zu gewinnen.
Videos, die spannende und relevante Inhalte bieten, ziehen somit proaktiv interessierte Bewerber an und steigern die Sichtbarkeit des Unternehmens nachhaltig.

2. Weiterentwicklungsangebote nach der Ausbildung

Auch die langfristigen Karriereperspektiven nach der Ausbildung sind ein entscheidender Faktor für die Attraktivität eines Ausbildungsplatzes: In vielen gewerblichen Berufen besteht die Möglichkeit, durch Weiterbildung und Spezialisierung höhere Positionen zu erreichen und finanziell besser gestellt zu sein als in vielen akademisch geprägten Jobs.

Ein Beispiel für Content aus der Praxis zur Besetzung von Auszubildenden für Handwerksbetriebe sind die Zukunftsaussichten in dieser Branche. Aufgrund der konstanten Nachfrage nach handwerklichen Dienstleistungen und der sinkenden Anzahl von Fachkräften können Handwerker in Zukunft ein noch weitaus höheres Einkommen erzielen.

Diese Marktlagen und Vorteile sind nur wenigen Jugendlichen bekannt. Somit könnten Unternehmen ihren Auszubildenden durch das Angebot von Weiterbildungsmaßnahmen und klaren Karrierepfaden eine attraktive Perspektive bieten und ihre Position im Wettbewerb um die besten Talente damit dauerhaft stärken.

3. Gelungener und durchdachter Auftritt auf Messen

Ergänzend hierzu ist außerdem ein professioneller und durchdachter Auftritt auf Messen für die Gewinnung von Auszubildenden entscheidend. Das Problem vieler Unternehmen: Ihre Messestände konzentrieren sich zu sehr auf die Verteilung von Werbeartikeln, die oft ungenutzt bleiben.

Stattdessen sollte das Messeerlebnis optimiert werden, indem spannende und interaktive Elemente angeboten werden, die Jugendliche anziehen und dazu bringen, ihre Kontaktdaten zu hinterlassen und sie so langfristig für sich zu gewinnen. Kostenlose Snacks oder Kaffee schaffen darüber hinaus eine entspannte Atmosphäre und erleichtern den Dialog. Ebenso können visuelle Darstellungen in Form von Videos helfen, das Interesse zu wecken und einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen.

4. Gewinnspiele nutzen, um Interesse zu wecken

Abschließend sind auch Gewinnspiele eine effektive Methode, um das Interesse von Jugendlichen zu wecken und sie für eine Ausbildung zu begeistern. Die Preise sollten dabei fachbezogen sein, um sicherzustellen, dass die Teilnehmer auch wirkliches Interesse am Berufsfeld haben.

Ein Beispiel ist ein Gewinnspiel eines Metallbaubetriebs, bei dem die Gewinner die Möglichkeit haben, einen Tag lang etwas Spannendes wie einen Grill zu bauen. Solche praxisnahen Erlebnisse bieten den Jugendlichen einen Einblick in den Beruf und wecken echtes Interesse. Gleichzeitig sammeln die Unternehmen wertvolle Kontaktdaten von potenziellen Auszubildenden. So können Gewinnspiele nicht nur das Interesse steigern, sondern auch aktiv zur Gewinnung von motivierten Bewerbern beitragen.

Intrinsiche Motivation

Berücksichtigen Unternehmen all diese Aspekte und setzen sie in der Praxis gekonnt um, bekommen sie Leute, die wirkliches Interesse an den vorgestellten Tätigkeiten haben. Besonders wichtig dabei: Diese Personen melden sich freiwillig für ein Praktikum an und sind intrinsisch motiviert.

„Für die Betriebe, mit denen wir zusammenarbeiten, ist es dann ein Kinderspiel, die so dringend benötigten Azubis zu gewinnen, die acht Stunden am Tag arbeiten können, pünktlich sind und Lust auf die angebotene Ausbildung haben“, betont Julian Mannott. So kommt es nicht dazu, dass Unternehmen nur zwei oder drei Bewerbungen pro Jahr erhalten und dann zwei Leute einstellen müssen, die nach acht Wochen aufgeben und sich nicht mehr melden.

(Julian Mannott/CHHI)

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